Zum zweiten Mal in Folge angereist aus den Vereinigten Staaten auf Einladung von Lama Jigme Rinpoche, gab Trungram Gyatrul Rinpoche vier Vormittage (vom 13. bis 16. August 2026) Unterweisungen über eine Belehrung von Gampopa Sönam Rinchen, dem Begründer der Karma-Kagyü-Linie, in der es um die Natur des Geistes und damit verbundene spezifische Meditationsmethoden geht.
Diesmal konzentrierte sich Gyatrul Rinpoche auf den 19. Text aus Gampopas Gesamtwerk mit dem Titel „Der außergewöhnliche Nektar aus dem Munde“. Anknüpfend an seine Unterweisungen vom letzten Jahr, die sich mit dem Werk und den Besonderheiten der oft wenig bekannten Belehrungen Gampopas befassten, entschied er sich in diesem Jahr, tief in den Kern dieses besonderen Weges einzutauchen. Hierbei stützte er sich auf Worte, die der Verwirklichung Gampopas entsprangen und von seinen Schülern niedergeschrieben wurden.
Gyatrul Rinpoche unterschied zwischen den im Text enthaltenen Unterweisungen der Kadam-Tradition und denen der Kagyü-Tradition und machte die Methoden zugänglich, mit denen wir das Wesen unseres Geistes, seinen ursprünglichen, unverfälschten Zustand, erkennen können – insbesondere dank der „Rüstung der Sichtweise“ und der „Rüstung der Einsicht“.
Die “Rüstung der Sichtweise“ bezieht sich auf unsere tägliche Praxis, das Ansammeln von Verdienst sowie das Verständnis und den Respekt den wir der Wirkung von Karma entgegen bringen. Die “Rüstung der Unterscheidungskraft” bezieht sich auf den Geist und darauf, alle Erfahrungen, denen wir begegnen, und insbesondere unsere Konzeptualisierungen (རྣམ་རྟོག namtok) als Weg zu betrachten. Diese Konzeptualisierungen sind untrennbar mit dem Geist verbunden, da sie dessen eigentliche Aktivität sind, so wie die Sonne und ihr Licht. Indem wir auf den Raum zwischen jedem auftauchenden Konzept achten, ist es möglich, den Geist in seinem Wesen zu sehen – den unverfälschten Geist -, ohne Dualität.
Gyatrul Rinpoche ging auf die Begriffe ein, die den Geist, seine Funktionsweisen und seine Natur beschreiben, und lieferte präzise und wertvolle Erläuterungen, insbesondere in unserem westlichen Kontext, in dem es nur ein begrenztes Vokabular gibt, um diese zu beschreiben. Außerdem gab er etwa zehn Personen Zuflucht und markierte damit deren Eintritt auf den buddhistischen Pfad.
Jeden Nachmittag griff Lama Jigme Rinpoche Punkte aus den Unterweisungen von Gyatrul Rinpoche auf und erläuterte sie für die Neueinsteiger. Dabei legte er besonderen Wert auf das ausgewogene Verhältnis zwischen dem Erlernen des Dharma, der Geisteshaltung des Bodhichitta und der Meditation, damit unsere Praxis in Richtung Erleuchtung führe und nicht unsere eigenen Neigungen verstärke.
Am Rande dieser ebenso reichhaltigen wie intensiven vier Tage fand die Generalversammlung des Vereins Dhagpo Kagyu Ling statt, bei der über die Besucherzahlen des Zentrums, die Entwicklung des Programms, die Ausbildung der Referenten und die Aktivitäten der städtischen Zentren im Jahr 2025 informiert wurde.
Am 15. August gab Gyatrul Rinpoche die Amitayus-Einweihung, den Buddha des langen Lebens, und erläuterte dabei kurz die beiden Aspekte des Rituals – die Reinigung unserer leidbringenden Verdunkelungen und das Erwecken der Weisheit, die bereits in uns vorhanden ist. Zur gleichen Zeit gab Thaye Dorje, Seine Heiligkeit der 17. Gyalwa Karmapa, im Europe Center in Deutschland dieselbe Einweihung. Dieser Tag war auch der Geburtstag von Lama Jigme Rinpoche. Zufälle oder glückverheißende, wechselseitige Verbindungen?
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